Konsensentscheidungen

Entscheidungen sollen einvernehmlich getroffen werden. Das heißt: niemand kann gegen seinen oder ihren Willen dazu gezwungen werden, Entscheidungen mitzutragen – auch dann nicht, wenn eine Mehrheit, die Entscheidung wünscht.

Dazu ein Zitat aus der Wikipedia (Begriff Konsensprinzip):

Der Vorteil des Konsensprinzips besteht darin, dass die Stimme jedes Einzelnen großes Gewicht hat und gehört werden muss. Das Konsensprinzip setzt eine hohe Verantwortlichkeit in der Gruppe voraus, weil sich jeder Abstimmende darüber bewusst sein muss, dass sein ‚Nein‘ den Prozess blockiert. Er muss für sich abwägen, ob seine Gründe so wichtig sind, den Prozess zu stoppen, bzw. ob er seine Bedenken zurückstellt und die Entscheidung mittragen will.

Abstimmungen sind frei von offenen oder heimlichen Seilschaften, kaum personenorientiert und vom geschickten Einsatz rhetorischer Fähigkeiten unabhängig. Konsensentscheidungen zeichnen sich durch eine stark an der Sache selbst und am Gesamtziel orientierten Diskussionstil aus. Die Prozesshaftigkeit der Entscheidungsfindung bekommt dadurch ein höheres Gewicht. Eine Gruppe, die sich auf ein Konsensprinzip einigt, muss ein hohes gegenseitiges Vertrauen haben, trotz unterschiedlicher Meinungen am gleichen Ziel zu arbeiten.

Konsens heißt nicht, dass am Ende alle einer Meinung sind, es heißt auch nicht, dass alle Entscheidungen einstimmig getroffen werden. Es heißt, dass für alle der Weg offen sein muss, um eine Entscheidung mittragen zu können. Jede Meinung hat das gleiche Gewicht – keine Meinung wird als Minderheitenmeinung abgetan. In einem vertraulichen Umfeld sind Konsensentscheidungen selbstverständlich – meistens, ohne dass wir es überhaupt bemerken. Das Konsensverfahren kann sogar als natürliches Verfahren für Entscheidungen angesehen werden, die von miteinander vertrauten Personen getroffen werden. Diese Selbstverständlichkeit wollen wir in unserem Projekt umsetzen.

Aspekte des Konsensverfahrens in unserer Gruppe

  • Wir sind eine geschlossene Gruppe. Neue Mitglieder können erst aufgenommen werden, wenn alle bisherigen Mitglieder Vertrauen zu der neuen Person gefasst haben.
  • Es geht um das unmittelbare Wohnumfeld. Hier werden Entscheidungen getroffen, die jedes Mitglied sehr persönlich betreffen. Es ist nicht vorstellbar, dass ein Mitglied bei Fragen, die das unmittelbare Wohnumfeld betreffen, überstimmt werden kann.
  • Jedes Mitglied sollte die Möglichkeit haben, Entscheidungen mitzutragen, die das Projekt betreffen. Nur wenn alle mit den getroffenen Entscheidungen einverstanden sind, können alle “an einem Strang ziehen”.
  • Wenn ein Mitglied die Konsensfindung unterminiert, indem es wiederholt zum Mittel des Vetos greift, muss die Gruppe sich fragen, was die betreffende Person zu diesem Verhalten bringt. In einem solchen Fall ist die gesamte Gruppe gefragt, nach der tieferen Ursache für die Situation zu forschen und sie gemeinsam zu beseitigen. In jedem Fall wäre es keine Lösung, die betreffende Person einfach per Mehrheitsentscheidung niederzustimmen.
  • Das Konsensverfahren ist eine Herausforderung an alle Mitglieder des Projektes. Es fordert dazu heraus, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Zum weiterlesen:

Connexions Online
Für und wider des Konsensprinzips

Institut für systemisches Konsensieren
Beschreibung einer Technik zur einfacheren Konsens-Findung

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